Bierwächterhaus

Geschichte zum Bierwächterhaus:

„Bier war ein hohes Gut und deshalb war auch die Bewachung der Lagerstätten des edlen Gerstensafts schon Ende des 15. Jahrhunderts eine Aufgabe der Braustätten gewesen“ so zur Geschichte der Bierlagerung. Eine dieser Lagerstätten befindet sich auch in Mühlhausen, am Fuße des 573 Meter hohen Schlüpfelbergs.

Es handelt sich um das so genannte „Bierwächterhaus“ mit den darunter befindlichen Kellergewölben, die eine Fläche von 350 Quadratmetern haben. Dieses Haus hat eine bewegte Geschichte: neben seinem ursprünglichen Zweck wurde es später auch als Wohnung genutzt und sogar eine Holzkegelbahn war neben dem Haus, auf dem knapp 1000 Quadratmeter großen Gelände, installiert und diente dem Freizeitvergnügen der Mühlhausener in Gottes freier Natur.

Das Haus und die Keller wurden um das Jahr 1480 erstellt, in die Wand auf der östlichen Seite ist die Jahreszahl 1482 eingemeißelt und auch der 2013 eingeschaltete Restaurator Johann Geitner aus Velburg geht davon aus, dass es sich hier um das Baujahr handelt. Dies ist auch das überlieferte Gründungsdatum der „Wolfsteinschen Gräflichen Brauerei“, die nach vielen Besitzerwechseln, nach der Herrschaft der Grafen, zur Brauerei Bender wurde und heute von Dieter und Andre Atzler geleitet, als „Mühlhausener Brauhaus“ firmiert.

Die Keller dienten zum einen der Lagerung des Bieres, aber in den Sommermonaten auch zur Kühlung des Gerstensaftes. Dazu dienten Eisblöcke, die zunächst aus den Weihern rund um das Haus gewonnen wurden und später, ab Mitte des 19. Jahrhunderts, auch aus dem König–Ludwig-Kanal, wenn die Temperaturen das Wasser gefrieren ließen. Noch bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hatte die Brauerei einen stattlichen Absatz und hier wurden, bis hinein nach Franken, fast 300 Gaststätten mit Bier aus Mühlhausen versorgt. Auch danach behielten die Keller ihre vorgesehene Nutzung bis Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Anschließend diente das eher kleine Haus noch hier und da als Wohnung. Doch seit etwa 1979 dümpelte es nur noch vor sich hin, verfiel sichtlich und niemand hatte so recht Lust sich darum zu kümmern. 

Es war schon so etwas wie ein Wink des Himmels, als 2013, nach starken Regenfällen, Teile der historischen „Bender Bierkeller“ einbrachen. Dies rief dann auch die Gemeindevertreter auf den Plan, die zeitnah eine Notsicherung für die einsturz gefährdeten Kellerbereiche veranlassten. Nun wurde auch die Frage aufgeworfen: Was tun? Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer machte sich für den Erhalt durch Sanierung stark, was aber nicht bei allen Gremiumsmitgliedern im Gemeinderat auf Gegenliebe stieß und hier wurde eher auf Abbruch plädiert.

Nach umfangreichen Ermittlungen wurde deutlich, dass ein Abbruch kosten gleich mit einer Sanierung einhergehe, vorausgesetzt die möglichen Fördergelder würden auch bezahlt. Als dies in trockenen Tüchern war, ging man nach mehrheitlichem Gemeinderatsbeschluss daran, die insgesamt ca. 450.000,00 Euro teure Sanierung voranzutreiben. Der Eigenanteil der Gemeinde wird mit ca. 140.000,00 Euro beziffert. Es wurden unter anderem Restaurator Johann Geitner, das Landesamt für Denkmalpflege sowie die untere Naturschutzbehörde des Landratsamts mit Gutachten und Machbarkeitsstudien beauftragt.

Eine große Aufgabe war es, die Gewölbe wieder in einen sicheren Zustand zu bringen. Hier konnte man mit Maurermeister Alois Scharpf und Sohn Andreas, der über Erfahrung als Restaurateur verfügte, zwei Handwerker gewinnen, die sich dieser Aufgabe mit Akribie annahmen und nun sind die Gewölbe laut dem ehemaligen Innungsobermeister Alois Scharpf wieder im Originalzustand: „Wir haben alles eingerüstet und die lockern Steine neu vermauert, sodass nun wieder eine gefahrenfreie Besichtigung möglich ist. Auch die im Keller befindliche Ablaufrinne für das Schmelzwasser der Eisblöcke wurde freigelegt “, sagte Scharpf.

Das Haus erstrahlt nun in neuem Glanz und der Rathauschef brachte es bei einer kürzlich stattgefunden Besichtigung auf den Punkt: „Das ist ein klassisches Beispiel wie man eine Ruine in ein Schmuckstück umgestalten kann. Mühlhausen verfügt nicht über viele historische Gebäude, darum ist dies nun ein echtes Zeugnis unserer Gemeinde“. Zur Nutzung sagte er: „Es soll einen musealen Charakter erhalten, da die unmittelbare Nähe zum Friedhof die nötige Pietät erfordert. Wir wollen aber auch die Bürger in die Entscheidungsfindung einbeziehen“ so Dr. Hundsdorfer.